Die studentischen Verbindungen waren im 19. Jahrhundert Vordenker und Vorkämpfer für ein einiges und liberales Deutschland. Nachdem die Gründung eines modernen Nationalstaates mit bürgerlichen Freiheiten 1848/49 gescheitert war, verbreitete sich jedoch zunehmend Resignation unter der Studentenschaft. Politik spielte eine immer kleinere Rolle – man beschränkte sich auf die Pflege von studentischen Traditionen und Bräuchen. Selbst die Reichsgründung von 1871 konnte keine große Begeisterung auslösen. Die Einigung durch "Blut und Eisen" stand zu deutlich im Kontrast zu den Idealen der Paulskirche.
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Im Dezember 1880 bildet sich an der Berliner Universität die interkorporative Vereinigung "zur Förderung des deutschen Nationalbewußtseins". Man wandte sich damit gegen den Partikularismus und wollte die politische Lethargie unter den Studenten überwinden. Der äußeren Einheit sollte nun endlich die "innere Einheit" folgen. Daraus ging offiziell am 18.1.1881, dem Reichsgründungstag, der "Verein Deutscher Studenten" hervor. Die Bezeichnung der Vereinigung als „Verein“ sollte erkennen lassen, dass es sich nicht um eine weitere Korporation, neben den bereits existierenden, handelte, sondern um einen Zusammenschluß von korporierten und nicht korporierten Studenten. Diese Zielrichtung ließ sich jedoch nicht verwirklichen, und der Verein wandelte sich zu einer Korporation, die jedoch als Erbe dieser frühen Geschichte das Farbentragen und das Schlagen von Mensuren ablehnte.
Die Bewegung breitete sich schnell aus. Weitere Vereine entstanden noch im selben Jahr in Charlottenburg, Leipzig, Breslau, Halle-Wittenberg, Kiel und Greifswald und schlossen sich anläßlich des Kyffhäuserfestes am 8. August 1881 zum "Kyffhäuser-Verband" zusammen, der sich 1922 in "Verband der Vereine Deutscher Studenten" (VVDSt) umbenannte.
Gewiß hatte die sogenannte Antisemitenpetition des Berliner Historikers Heinrich von Treitschke aus dem Jahre 1880 und ihre große Wirkung unter den Studenten, einen Anstoß gegeben. Jedoch war Antisemitismus nie eine Leitidee, im Gegenteil, man grenzte sich deutlich gegen radikalantisemitische Parteiinteressen ab. Der VDSt definierte sich nicht negativ durch Abgrenzung, sondern mit einem klaren Bekenntnis zum Bismarck’schen Reich als national, christlich und sozial.
Die 1881 beginnende Sozialgesetzgebung war somit von großem Einfluß auf den Verband. Die friedliche Lösung der sozialen Frage wurde als erstrebenswertes Ziel gesehen, für das man sich in der Folgezeit tatkräftig einsetzte.
Gegen die protestantisch-preußische Dominanz innerhalb des Bundes wandte sich die "rein-nationale Richtung" – und erzeugte damit erhebliche Spannungen, die sich erst um die Jahrhundertwende legten. Im Gegensatz zu sozialen Zielen, legte diese Richtung ihr Augenmerk auf die bedrängte Lage deutscher Volksteile, insbesondere in Österreich.
Für größere Spannungen sorgte 1906/7 auch in Berlin der sogenannte Naumann-Streit. Der Leipziger Bundesbruder Friedrich Naumann wurde ob seiner Stellungnahme für die SPD besonders von Alten Herren kritisiert. Der Streit drohte den Verband zu spalten, was letztendlich durch den Austritt Naumanns verhindert wurde. Als Folge wurde beschlossen, jede parteipolitische Bindung des Verbandes sowohl als auch des einzelnen Bundes abzulehnen.
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Die Zeit der Weimarer Republik und des ‘Dritten Reiches’
Der Zusammenbruch von 1918 und das Ende des Kaiserreiches stellte den Bund, der seine Tradition auf dieses Reich zurückführte, vor entscheidende Fragen. Daß man sich für die alten Farben Schwarz-Weiß-Rot entschied, geschah aus der Erkenntnis, daß traditionsgewordene Symbole nicht jeweils den wechselnden politischen Situationen angepaßt werden können. Aus der Erfahrung, wie zerbrechlich Staat und Staatsform sein können, konzentrierte man sich in der Aktivitas nun auf den Begriff des Volkes. Fragen des Minderheiten- und Völkerrechts sowie Grenz- und Auslandsarbeit wurden Schwerpunkte des VVDSt.
Viele Alte Herren versuchten als Politiker aktiv die Geschicke der Republik zu gestalten.
Die "Machtergreifung" durch die NSDAP bleibt zunächst ohne wesentlichen Einfluß auf das innere Leben des Berliner Bundes. Allmählich trifft aber auch ihn der Totalitätsanspruch der Nazis; die Umwandlung in eine "Kameradschaft" reicht nicht aus, sich dem Griff zu entziehen – wie alle Verbindungen wird auch der VVDSt aufgelöst bzw. in den ‘Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund’ eingegliedert. Einige Mitglieder, wie z.B. Hermann Ehlers, führendes Mitglied der "Bekennenden Kirche" und nach dem Krieg der erste Bundestagspräsident, geraten dabei in offenen Konflikt mit den Nazis.
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Nach Überwindung der Nachkriegswirren und vielen Mühen erhält der VDSt Berlin im Jahre 1949 an der Freien Universität seine Zulassung, womit das Bundesleben trotz aller Nachkriegsprobleme wieder auflebt.
1957 nimmt der Bund den Namen "VDSt Berlin–Leipzig" an. Vorangegangen war der Anschluß der Altherrenschaft des Leipziger Bundes, der in der DDR nicht wieder aktiv werden konnte.
Die besondere Lage und Stellung Berlins ging auch am Bund nicht spurlos vorbei. So führten brisante politische Streitfragen um Wiederbewaffnung und Wehrdienstverweigerung 1960 zum Ausschluß des Bundes aus dem Verband. 1961 wurde der von einigen der früheren Mitgliedern neu gegründete Bund in den Verband aufgenommen. Er musste aber bereits 1966 wegen kommunistischer Unterwanderung im Zuge der massiven Politisierung des Hochschullebens erneut suspendiert werden.
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Der Bund wurde 1881 unter dem Namen „Deutscher technischer Studentenverein“ (D.t.St.V.) an der Technischen Hochschule zu Charlottenburg gegründet. Er war noch im gleichen Jahr an der Gründung des Kyffhäuserverbandes beteiligt und änderte seinen Namen 1891 in „Verein Deutscher Studenten Charlottenburg“. Das mehr praktisch-zupackende als theoretisierende Naturell seiner Mitglieder führte zu einem ausgeprägt korporativ gestalteten Bundesleben.
Nach 1933 griff der Nationalsozialismus auch nach dem VVDSt. 1935 nahm eine Kameradschaft „Siegfried Paul“ die Stelle des Aktiven Bundes VDSt Charlottenburg ein; es gelang jedoch 1938 in langen Verhandlungen durchzusetzen, dass der Altherrenbund Charlottenburg E. V. diese Kameradschaft als seine eigene betreute und ihre Altherrenschaft bildete. „Charlottenburger Treffabende“ konnten stattfinden, für Mai 1939 wurde sogar wieder ein Stiftungsfest geplant. So konnte man sich wenigstens etwas dem Zugriff des Staates bzw. der Partei entziehen. Die Alten Herren waren jedoch verpflichtet, daneben in den N. S. Altherrenbund der Deutschen Studenten einzutreten. Der VVDSt hörte auf zu bestehen.
Nach dem Kriegsende versuchte die Altherrenschaft des VDSt Charlottenburg 1953 zusammen mit dem Akademischen Verein an der jetzt zur Technischen Universität Berlin gewordenen Hochschule „Die Burg“ einen Neubeginn zu schaffen. Man musste jedoch bald feststellen, dass der mehr lockere innere Zusammenhalt der „Burg“ nicht zu dem Lebensbundprinzip des VDSt passte, und so brach die Verbindung nach einem Jahr wieder ab
Im Jahre 1954 kamen einige Bundesbrüder aus anderen Bünden, vor allem aus Leoben, zum Studium an die Technische Universität, und sie verstanden es, ein neues Bundesleben aufzubauen. In der Mehrzahl waren es Berg- und Hüttenleute, die nun das Bild des VDSt Charlottenburg prägten. Die Bundesbrüder im Bergkittel wurden neben denen im schwarzen Anzug zu einem gewohnten Bild, das Mitternachtsgeschrei der Bergleute zum Gedenken an die unter Tage arbeitenden Bergleute gehörte zu den Veranstaltungen, das Lied der Bergleute „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“ war allen vertraut, der Durst war immer gewaltig. Auch die allmählich dazu kommenden neuen Mitglieder aus anderen technischen Fakultäten fanden Gefallen an dem herrschenden, manchmal etwas raueren Ton der Techniker. Der Berliner Bruderbund wurde als etwas zu feinsinnig theoretisierend empfunden, was aber lediglich als naturgegebener Unterschied zwischen Technikern und Geisteswissenschaftlern angesehen wurde und nicht an der Ausrichtung gemeinsamen Veranstaltungen hinderte.
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Der VDSt Berlin und Charlottenburg
Die massive Politisierung des Hochschullebens Mitte der 60er Jahre führte zu einer gewissen Entfremdung und vor allem zu einem erheblichen Rückgang der Mitgliederzahlen. Man begegnete dieser Gefährdung beider Bünde durch den Zusammenschluß des VDSt Berlin-Leipzig und des VDSt Charlottenburg zum VDSt Berlin-Leipzig und Charlottenburg in den 70er Jahren.
1979 war der neue Bund so weit gefestigt, daß er sich entschloß, für das kommende Jahr zum Vorort des Verbandes zu kandidieren. Somit wurde 1981 (nach erfolgreicher Wahl) die 100. Verbandstagung in Berlin ausgerichtet.
Ein weiterer Einschnitt war 1988 der Neubau des Bundeshauses. An Stelle des alten Hauses, das 1959 erworben wurde, entstand nun ein modernes Haus mit 10 Zimmern, Kneipsaal und Gästezimmer.
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Der Fall der Mauer und der sich abzeichnende Prozeß der Wiedervereinigung ging natürlich am Verband und am Bund in Berlin nicht spurlos vorüber.
Schon im April 1990 wurde der VDSt in Greifswald wiedergegründet und am 7.–10.6.1990 die 109. Verbandstagung wieder am traditionsreichen Kyffhäuser gefeiert.
Am 23.11.1991 wird mit tatkräftiger Unterstützung des VDSt Berlin-Leipzig-Charlottenburg der VDSt Leipzig wiedergegründet.
Der Berliner Bund nimmt deshalb den Namen VDSt Berlin und Charlottenburg an. Mittlerweile gehören ihm Studenten aus allen Teilen Deutschlands an den drei Berliner Universitäten, den Fachhochschulen und der Hochschule der Künste an.
Dank einem aktiven korporierten Leben und einer engagierten Aktivitas wurde der Berliner Bund 1999 zum Vorort des Verbandes gewählt und hat im Jahr 2000 die Verbandstagung in Berlin ausgerichtet. Im Jahre 2005 wurde der Bund erneut zum Vorort des VVDSt gewählt; die Verbandstagung 2006 fand jedoch in Erfurt statt, weil Berlin wegen der gleichzeitig ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft als Tagungsort ausschied.